Kreis Lüchow-Dannenberg genauen Anforderungen für die KI-Lösung im Landkreis Lüchow- Dannenberg, das Lastenheft und die Sicherheitsrichtlinien sind in enger Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und IT-Unternehmen entstanden. Der offizielle Start- schuss fiel am 25. September 2023, bereits Ende Januar dieses Jahres soll das KI-System produktiv gehen. „Die komplette Anwendung wird auf unseren Servern gehostet“, sagt Sabrina Donner, Leiterin der Stabs- stelle Digitalisierung und auch für Informationssicherheit zuständig. „Die Sitzungsprotokolle sind zum Teil hochsensibel und es ist wich- tig, dass die Informationen bei uns verbleiben. Deswegen haben wir uns für eine On-Premise-Lösung entschieden.“ Gleiches gilt für die zweite KI- Lösung, die demnächst beim Ju- gendamt von Lüchow-Dannenberg an den Start geht. Bei EMMA (siehe auch Kommune21, Ausgabe 9/2023) handelt es sich um eine Künstliche Intelligenz, die Prozess- schritte beliebiger Fachverfahren automatisieren kann und dadurch Fallentscheidungen vorbereitet. Eingesetzt wird sie zunächst für den Unterhaltsvorschuss. Allein- erziehende Eltern erhalten Unter- haltsansprüche von der Verwaltung vorgestreckt. Dazu müssen sie zahlreiche Unterlagen einreichen, die von EMMA auf Vollständigkeit überprüft werden. Beispielsweise registriert das KI-Tool, ob alle nö- tigen Angaben vorhanden sind und eine Unterschrift an der richtigen Stelle geleistet worden ist. „Sol- che einfachen Tätigkeiten führen, wenn sie automatisiert ablaufen, zu einer großen Entlastung“, erklärt Susanne Altemeyer, Leiterin des Fachdiensts Kinder, Jugend, Familie im Kreis Lüchow-Dannenberg. „Die Mitarbeitenden bei uns sind begeis- tert.“ Zusätzlicher Vorteil sei, so Altemeyer, dass sich bei monotoner Arbeit manchmal menschliche Feh- ler einschleichen, was mit EMMA nicht passieren könne. EMMA muss man sich als virtu- elle Mitarbeiterin vorstellen. Das Programm wird darauf trainiert, sich alle Prozessschritte, welche die echten Mitarbeitenden in einem beliebigen Fachverfahren am PC erledigen, zu merken und wieder- holen zu können. „Weil EMMA den PC wie ein Mensch bedient und dabei Entscheidungen auf Basis von Zahlen, Texten und Mustern trifft, ist es auch so leicht, EMMA einzu- arbeiten“, erklärt Paul Tessmann, Gründer des IT-Firma Wianco Ott Robotics. Dafür seien keine Pro- grammierkenntnisse notwendig, sondern nur zwei Trainingstage, um die Mitarbeitenden zu befähi- gen, das Programm eigenständig einzusetzen. EMMA befindet sich in Lüchow- Dannenberg momentan im Testbe- trieb, soll ab Februar dieses Jahres in den regulären Einsatz gehen und dann insgesamt sechs Arbeitsplätze im Jugendamt unterstützen. Ange- dacht ist, das KI-Tool auch in der wirtschaftlichen Jugendhilfe und der Eingliederungshilfe zu nutzen. Weitere geplante KI-Projekte im Landkreis umfassen die digitale Bar- rierefreiheit der Website, die dann automatisiert in 24 Fremdsprachen und leichter Sprache verfügbar sein soll, sowie die aktive Bewerbersu- che mit KI-Unterstützung. Dass Künstliche Intelligenz im Gegenzug einmal Personal ersetzen könnte, steht angesichts des Fachkräfte- mangels und großen Mitarbeiter- schwunds im öffentlichen Dienst vorerst nicht zu befürchten. Die Losung lautet vielmehr: Unterstüt- zung und nicht Ersatz. Im Moment stehen in Lüchow- Dannenberg die Zeichen auf Eva- luation. Die beiden KI-Tools unter- liegen einer genauen Kontrolle. Die Transkriptionen und automatischen Zusammenfassungen von scriba werden sorgsam gegengeprüft und mit Kennzahlen versehen, um dann feststellen zu können, wie viel effi- zienter die Arbeit wirklich ist. Das KI-Tool EMMA wird zurzeit noch trainiert, indem vorgegeben wird, was die Software lesen, klicken und erkennen darf. Die Resultate werden ebenfalls sorgsam begut- achtet. „Die KI trifft keine eigenen Entscheidungen, jeder Vorgang wird noch einmal von unseren Mit- arbeitern überprüft“, erläutert CDO Sabrina Donner. Was die Kosten anbelangt, so bewegen sich diese im überschau- baren Rahmen. Einmalig 20.000 Euro hat der Landkreis für scriba ausgegeben und mit dem Her- steller vereinbart, dass es keine Folgekosten gibt, da es sich auch für straiqr.ai um ein Modellprojekt handelt, an dessen Entwicklung der Landkreis beteiligt war. Für EMMA sind jährliche Lizenzkosten für das Testprodukt und später die End- version fällig. Investieren könnte der Landkreis allerdings noch in eine bessere IT-Infrastruktur. „Die Hardware-Landschaft in Verwal- tungen ist nicht immer State of the Art“, sagt Felix Komoll. „Bei uns im Düsseldorfer Rechenzentrum wür- den die Transkriptionen nur einige Minuten dauern.“ Helmut Merschmann www.kommune21.de Kommune21 · 02/2024 39