Interview darin, ein stimmiges Gesamtpaket zu liefern, das die tatsächlichen Anforderungen erfüllt, statt einfach das eigene Portfolio zu vermarkten. Welche Auswirkungen hat das auf die Beziehung zwischen ekom21 und seinen kommunalen Kunden? müssen wir lernen, Verantwortung zu teilen und über Unternehmens- grenzen hinweg im Team zu arbei- ten. Das erfordert Offenheit, Ehr- lichkeit, Kompromissbereitschaft sowie die Bereitschaft, Geschäfts- felder abzugeben oder sich stärker zu spezialisieren. Wir befinden uns ler – und gleichzeitig stehen die Kommunen unter Druck. Die Stich- worte lauten: Fachkräftemangel, finanzielle Engpässe und steigende Erwartungen bei den Mitarbei- tenden der Verwaltungen sowie der Bürgerinnen und Bürger. All das überfordert viele Kommunen. „Letztlich sitzen wir alle im selben Boot und nur gemeinsam können wir die Herausforderungen meistern.“ Die Kundenbeziehungen ver- ändern sich grundlegend. Wir sprechen heute nicht mehr von einem klassischen Auftraggeber- Auftragnehmer-Verhältnis, sondern von einer Partnerschaft, die ich ger- ne als Community bezeichne. Die Digitalisierung kann nur gelingen, wenn Kommunen eng eingebun- den sind: in die Bedarfsermittlung, die Qualitätssicherung und die Produktauswahl. Das erfordert ein Umdenken auf beiden Seiten. Auch die IT-Dienstleister müssen sich öffnen, flexibler werden und neue Formen der Zusammenarbeit eta blie ren. Wir bei der ekom21 befinden uns mitten in diesem Transformationsprozess. Das ist ein schmerzhafter Prozess, der viel Geduld und Verständnis bei allen Beteiligten erfordert. Unser Zielbild haben wir noch nicht erreicht, aber wir arbeiten intensiv daran – ge- meinsam mit den Kommunen. Kooperation klingt zwar gut, birgt aber auch Herausforderungen. Welche Stolpersteine sehen Sie? Selbstverständlich bringen wir aus der Vergangenheit auch Konkurrenzdenken mit. Viele IT- Dienstleister waren früher Wettbe- werber und diese Strukturen sind zum Teil noch vorhanden. Heute da in einem Lernprozess. Aber allen Beteiligten ist klar: Nur mit echter Zusammenarbeit werden wir die Zukunft erfolgreich gestalten. Welche technologischen Entwicklun- gen sind für Sie die wichtigsten Treiber? Themen wie Künstliche Intelli- genz, Prozessdigitalisierung, Auto- matisierung oder digitale Identität prägen den Wandel natürlich. Aus meiner Sicht ist jedoch ein anderer Faktor der größte Treiber: Wir sto- ßen an die Grenzen unserer bishe- rigen Abläufe, Prozesse und Denk- weisen. Diese physikalischen Gren- zen zwingen uns zur Veränderung. Es ist also weniger die Technologie selbst, die Veränderung erzwingt, sondern die Notwendigkeit, neue Wege zu gehen, um handlungsfähig zu bleiben. Welche Auswirkungen hat dieser Wandel auf die Arbeit in den Kommunen – und wie müssen IT-Dienstleister darauf reagieren? Die Welt der Verwaltungs-IT wird immer komplexer, da zuneh- mend vernetzte und datenzentrier- te Lösungen angestrebt werden. Die Vielfalt der Lösungen und Lösungsanbieter nimmt zu, die Systeme werden anspruchsvol- Deshalb brauchen sie verlässliche Partner, die Aufgaben bündeln und Orientierung geben. Das ist unsere Rolle als IT-Dienstleister – und sie wird in Zukunft noch wichtiger. Die Kommunen fordern heute zu Recht mehr Qualität, schnellere Reaktionszeiten und eine bessere Performance. Um diesen Ansprü- chen gerecht zu werden, müssen auch wir uns verändern: hin zu hybriden Betriebsmodellen, moder- nen Strukturen und digitalisierten Prozessen- sowie dem Ausbau von Kooperationsinitiativen. So wirken wir beispielsweise bei der Ent- wicklung der Deutschen Verwal- tungscloud mit und modernisieren gleichzeitig unser eigenes Produkt- portfolio. Das ist ein beträchtlicher Schritt, aber er ist notwendig. Wandel und Transformation werden die kommenden Jahre also prägen. Wo wird ekom21 in fünf Jahren stehen? Ich glaube nicht, dass es in fünf Jahren ruhige Gewässer geben wird. Wandel ist kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Wir werden ständig Anpassungen vor- nehmen müssen – an Technologien, Märkten und Kundenbedürfnissen. Unser Ziel ist es, wiederkehrend innerhalb von sechs Monaten in der Lage zu sein, unsere Geschäfts- 12 Kommune21 · 12/2025 www.kommune21.de