Interview Die Bundesagentur für Arbeit (BA) prüft, ob sie mit Delos Cloud ihre IT- Landschaft modernisieren kann. Wie ist der Stand? Die Bundesagentur für Arbeit ist Teil unseres Pilotkundenprojekts. In diesen Pilotprojekten geht es darum, gemeinsam mit Kunden zu prüfen, ob bestehende Microsoft- Landschaften – etwa im Office-Um- feld – später produktiv in der Delos Cloud genutzt werden können und ob die versprochene Funktionspari- tät tatsächlich gegeben ist. Die BA ist dabei für uns ein sehr spannen- der Partner. Sie ist im öffentlichen Bereich aus meiner Sicht eine der digital stärksten Organisationen und geht viele Themen sehr strate- gisch an. Das macht die Zusammen- arbeit sehr wertvoll. Gleichzeitig ist die Bundesagentur ja nicht der einzige Pilotkunde. Wir arbeiten auch mit weiteren Interessenten, die derzeit noch nicht öffentlich be- nannt werden. Insgesamt sind wir in diesem Bereich gut unterwegs. Es gibt Stimmen, die sagen: Europa sollte konsequent auf rein europäische Technologien setzen. Ist das realistisch? Es ist auf jeden Fall ein legitimes Ziel, dass Europa wieder stärker ei- gene technologische Wertschöpfung aufbaut. Aber man muss eben auch ehrlich sagen: In vielen Bereichen gibt es Stand heute schlicht noch keine vollständig europäischen Alternativen auf vergleichbarem Niveau. Das beginnt nicht erst bei Cloud-Software, sondern schon viel früher – etwa bei Chips, Hardware oder bestimmten Hyperscaler-Tech- nologien. Deshalb halte ich es für wichtig, diese Debatte realistisch zu führen. Für mich ist entscheidend, dass wir uns fragen: Wo können wir in Europa gezielt eigene Stärken aufbauen? Wo können wir Lücken schließen? Und wo müssen wir bestehende internationale Technolo- gien so einsetzen, dass wir trotzdem Sicherheit, Kontrolle und Hand- lungsfähigkeit gewinnen? Das Ziel sollte sein, dass in Europa wieder mehr Unternehmen entstehen, die in diesen technologischen Schich- ten wettbewerbsfähig sind. Mehr Skalierung, mehr Unicorns, mehr industrielle Substanz. Ob wir jemals in jeder einzelnen Komponente bei 100 Prozent europäischer Technolo- gie landen, weiß ich nicht. Aber da- rum geht es aus meiner Sicht auch nicht ausschließlich. Entscheidend ist, dass wir unsere strategische Abhängigkeit reduzieren und echte Handlungsoptionen aufbauen. Warum sind Partnerschaften zwischen Staat und Technologieunternehmen da- bei so wichtig? Weil der Staat in einer doppel- ten Rolle auftritt: Einerseits ist er Regulator, andererseits ist er ein enorm wichtiger Kunde. Als Kunde kann der Staat ein echter Innovati- onstreiber sein. Wenn öffentliche Nachfrage in ausreichender Größe vorhanden ist, dann schafft das für Unternehmen Anreize, in Europa zu investieren, hier zu entwickeln und hier zu skalieren. Der Staat al- lein kann Innovation natürlich nicht erzeugen. Aber er kann Rahmenbe- dingungen schaffen, unter denen Innovation wahrscheinlicher wird. Das gilt auch für Start-ups. Wenn der öffentliche Sektor als Ankerkun- de auftritt und klare Perspektiven schafft, dann steigen die Chancen, dass junge Unternehmen in Europa bleiben und hier wachsen, statt sehr früh in andere Märkte – vor allem in die USA – abzuwandern. Sie fordern eine Regulierung mit Augenmaß. Wo muss der Staat lockerer werden, wo eher strenger? Ein Bereich ist für mich sehr klar: Vergabeverfahren. Dort müssen wir moderner, schneller und zugängli- cher werden. Gerade für Start-ups oder kleinere innovative Unter- nehmen sind viele Anforderungen heute kaum erfüllbar – allein schon wegen des Aufwands für Compli- ance, juristische Begleitung oder umfangreiche Referenznachweise. Wenn wir wollen, dass Innovation in die Verwaltung kommt, dann müssen Vergaben so gestaltet sein, dass auch neue Anbieter überhaupt eine faire Chance haben. Auf der anderen Seite braucht es durchaus klare Vorgaben – etwa bei Souverä- nitätsanforderungen, Interoperabi- lität und Standards. Dort sollte Re- gulierung nicht schwächer, sondern präziser werden. Denn ohne klare Leitplanken entsteht wieder Insel- logik. Mit anderen Worten: Weniger Hürden dort, wo Innovation und Beschaffung unnötig ausgebremst werden – und zugleich mehr Ver- bindlichkeit dort, wo gemeinsame regulatorische Grundlagen geschaf- fen werden müssen. Welche politischen Weichenstellungen sind dafür nötig? Und welche Rolle spielt dabei das neue Digitalministerium? Ich finde, dass das neue Digitalmi- nisterium in erstaunlich kurzer Zeit einiges angestoßen hat. Man merkt, dass mehr Transparenz, mehr Dialog und mehr Koordination entstanden sind. Ich nehme wahr, dass Politik, Wissenschaft und Wirtschaft stärker in einen kontinuierlichen Austausch gebracht werden. Wichtig finde ich auch, dass dort nicht nur allgemein über Ziele gesprochen wird, son- 54 Kommune21 · 05/2026 www.kommune21.de