Interview reden wir fast über Monatszyklen, beispielsweise hinsichtlich Re- leases, Schnittstellenänderungen und bundesrechtlicher Vorgaben. Gleichzeitig ist es volkswirtschaft- lich schwer vermittelbar, wenn im Verkehrsbereich weiterhin mehrere parallel existierende Softwarelösun- hat bereits für einiges Aufsehen gesorgt. Der Wille, Dinge anders zu machen, ist deutlich erkennbar. Es gibt ein anderes Mindset, das stärker von der Umsetzung her denkt. Beim Kfz-Portal etwa war die Diskussion sehr konkret: Was muss rechtlich und politisch pas- wird es hingegen auch weiterhin mehrere Anbieter geben. Wichtig ist: Wir brauchen neue Lösungen, denn die Digitalisierung ist noch nicht abgeschlossen. Vieles scheitert nicht an fehlender Software, son- dern daran, dass in Verwaltungen oftmals die Grundlagen fehlen. „Wir wollen strategischer Taktgeber der kommunalen Digitalisierung sein.“ gen mit Steuergeldern finanziert werden. Darum bündeln wir unser Engagement. Das Kfz-Wesen ist ein Beispiel, das Sozialwesen oder Wahlen sind weitere. Unser Ziel ist es, Synergien zu heben – für alle. Ist das etwa Druck vom Bund? Nach dem Motto: Wenn ihr euch nicht einigt, beauftragen wir andere. Das stand und steht definitiv im Raum. Beim Kfz-Wesen war das ein Beschleuniger. Wenn wir nicht konsequent konsolidieren, wird der Bund einen anderen Weg einschla- gen. Als wir die Bereiche zusam- mengelegt haben, wurde dem Bund klar: Der Wille ist da – und das fachliche Know-how ebenfalls. Das ist eine Win-win-Situation. Hinzu kommt die zweite große Notwen- digkeit: Cloudifizierung und mo- derne Plattformen. Ein Großteil der heutigen Software ist davon jedoch weit entfernt. Ohne Skaleneffekte, ohne Plattformen, ohne Moderni- sierung geht es nicht – und da hilft zusätzliche Kooperation. Wie bewerten Sie das neue Digitalmi- nisterium auf Bundesebene – ist es ein Gamechanger? Es ist noch zu früh, um das zu beurteilen, aber das Ministerium sieren, damit wir bis Juli 2027 ein Kfz-Portal für Deutschland haben? Dieser Umsetzungsfokus war in dieser Klarheit neu. Beim Onlinezugangsgesetz (OZG) fühlten sich viele Kommunen wie am Katzentisch. Ändert sich das? Die Lehren aus dem OZG sind präsent – und niemand möchte einen ähnlichen Prozess wieder erleben. Es gibt mehr Beteiligungs- formate, mehr Abfragen und eine stärkere Einbindung, etwa beim Deutschland-Stack und anderen Themen. Auch jenseits des Digital- ministeriums fragen Ressorts stär- ker nach Orientierung. Und ja, die Bündelung hilft. Wenn es faktisch zig Betreiber gibt, etwa bei Porta- len, ist das für den Bund schwer handhabbar. Kooperation reduziert Komplexität. Wenn Kooperationen zunehmen, wird Wettbewerb ausgeschaltet. Geschieht das gerade? Ich erwarte eine gewisse Bereini- gung, aber der Wettbewerb bleibt bestehen – und ist auch nötig. Dort, wo es bundeseinheitliches Recht gibt, macht Vielfalt oft wenig Sinn. In Bereichen mit Länderrecht und unterschiedlichen Verordnungen Stichwort Digitale Souveränität: Was bedeutet das für die Komm.ONE? Das Thema hat mehrere Schich- ten. Auf Anwendungsebene bedeu- tet Souveränität für uns vor allem Wechselmöglichkeit durch offene Schnittstellen. So setzen wir bei- spielsweise nicht auf einen Chatbot pro Dokumentenmanagementsys- tem, sondern auf eine übergeordne- te Lösung, die in verschiedene Sys- teme integriert ist und zugleich die Datenschutz- und Sicherheitsanfor- derungen erfüllt – idealerweise von einem europäischen Anbieter. Das verändert die Rollen: Wir adaptieren und integrieren, statt alles allein zu bauen. Bei Office-Produkten wird es schwieriger. Alternativen decken viele Grundbedarfe ab. Das größere Problem ist jedoch das Ökosystem, also die Fachverfahren, die nur bestimmte Formate unterstützen. Solange Hersteller nicht bereit sind, Open-Format-Alternativen sauber mitzubedienen, bleiben Kommunen abhängig. Heißt das, dass das Thema in den Kommunen noch nicht richtig angekom- men ist? In der Fläche noch nicht. Das sehen wir in unseren Mitglieder- beiräten. Viele sagen: Brauchen wir 10 Kommune21 · 04/2026 www.kommune21.de