Geodaten-Management Breite des Themas keine zentralisti- sche Wissenshoheit mehr geben wird, sondern es noch stärker um Netzwerk-Management und Part- nerschaften gehen muss. Neben hochgradig spezialisierten Funktionen und Aufgaben, die es eventuell landes- oder gar bundes- weit vorzuhalten oder, etwa durch die Kommunalvertretungen, zumin- dest zu koordinieren gilt (wie Da- tenstandards, Metadatenkataloge, Schnittstellendefinition oder Rah- menverträge mit Datenanbietern), sollte auch den Regionen als inter- kommunale Gestaltungsräume eine Rolle im Daten-Management zu- kommen. Größeren Städten wie Krefeld als regionalem Oberzent- rum mit tendenziell höheren und spezialisierteren Personalressour- cen kommt hier eine besondere Relevanz und Verantwortung zu. Für die interkommunale Nutzbar- keit datenbasierter Lösungsideen sind insbesondere bestehende Strukturen nützlich, wie das in Kamp-Lintfort ansässige Kommu- nale Rechenzentrum Niederrhein (KRZN). Solche interkommunalen Rechenzentren sollten, wie auch die Stadtwerke, in die Konzeption von Data Governance, Data Manage- ment und auch in die konkreten Fragen nach der physischen Bereit- stellung von IT-Infrastrukturen von Anfang an einbezogen werden. Das soll den Transfer, eine der größten Herausforderungen der Smart-City- Transformation, vereinfachen: Wenn Stadt A eine Lösung X für Kosten Z implementiert, muss der Anspruch sein, dass Stadt B Lösung X für Kosten Z-1 implementieren kann. Solche Transfers müssen ebenso zwischen Großstädten, auch bei fehlender gemeinsamer IT- Struktur, praktiziert werden kön- nen. Hier bedarf es ressourcenscho- nender Ansätze wie dem gemeinsa- men systematischen Einbezug von Expertise, etwa durch wissenschaft- liche Beiräte, die sich interkommu- nal organisieren lassen. Die Stadt Krefeld möchte bei Projekten von Anfang an den Transfer und die Ko- operation mit anderen Kommunen im Blick haben; es gilt, den Nieder- rhein mit Daten zu gestalten, Lö- sungen auch in andere Regionen zu teilen und aus diesen zu beziehen. mittlerweile in der gesamten Repu- blik und auch darüber hinaus zahl- reiche kommunale Anwender ge- funden hat. Durch die konsequente Unterstützung von standardisierten Geodatenschnittstellen und die durchgängige Verwendung offener Software-Quellen wird sowohl die sofortige technische und fachliche Übertragbarkeit der Lösung auf an- dere Anwender sichergestellt als auch die laufende modulare Weiter- entwicklung unter dem Motto „Ei- ner für Alle“ gefördert. Kommunale Daten haben mehr- heitlich einen (kleinräumigen) Raumbezug. Eine grundlegende Kompetenz, die als Koordinations- und Visualisierungsdienstleistung dringend benötigt wird, ist im Be- reich des kommunalen Geodaten- Managements bereits vorhanden. Daher tun wir gut daran, die vorhan- denen Fähigkeiten und Potenziale der Geo-Information zu heben und zu stärken. Alle kommunalen Daten sollten, soweit mit Raumbezug und datenschutzverträglich, in die vor- handenen Geodaten-Infrastrukturen integrierbar und interkommunal austauschbar sein, um beispielswei- se interkommunale Verkehrsbezie- hungen besser zu erfassen. Die wei- tere Standardisierung von Datenmo- dellen und Datenströmen, die gera- de im Geo-Informationswesen seit Jahren eingeübt ist, ist essenziell für die gemeinsame Bewältigung der anstehenden Aufgaben. Als Beispiel für erfolgreiches in- terkommunales Zusammenwirken und die Stärke von Standards kann die Anwendung Masterportal ge- nannt werden, eine vom Landesbe- trieb Geoinformation und Vermes- sung Hamburg initiierte Open Source Software für Geoportale, die Die Data-driven Municipality als Fundament der Data-driven City sollte verwaltungsleitende Praxis werden. Die Öffnung der Verwal- tung auch für Daten Dritter, ebenso wie die Bereitschaft, die eigenen Daten für eine breite Nutzung ver- fügbar zu machen, sind wesentliche Aspekte. Der Beitrag jedes einzel- nen Akteurs einer Stadtgesellschaft oder einer Region ist wichtig, der Effekt des Gesamtorganismus bei der Bewältigung der anstehenden Aufgaben kann durch enge Koope- ration jedoch entscheidend verviel- facht werden. Die vielen Initiativen rund um kommunale Data Governance und Data Management sowie der Auf- bau von personellen Kapazitäten in der Region weisen am Niederrhein bereits in eine gute Richtung. Jetzt gilt es, den Transfer von Ideen und Lösungen zwischen einzelnen Kom- munen zu konkretisieren, Daten- austausch und -nutzung zu verein- fachen und so Effizienzen zu heben. Markus Lewitzki ist Chief Digital Of- ficer der Stadt Krefeld; Udo Hannok ist Leiter der Abteilung Geoinformationen beim Fachbereich Vermessung, Kataster und Liegenschaften der Stadt Krefeld. www.kommune21.de Kommune21 · 10/2022 15