Dresdner Forderungen und nutzbar sind. Das führt zu Planungsunsicherheiten, die nicht gut sind, und erhöht den Druck auf die Städte. Diese arbeiten selbst auf Hoch- touren daran, IT-Prozesse für die Digitalisierung ihrer lokalen Verwal- tungsangebote wie etwa Baugeneh- migungen startklar zu machen. Der Aufwand ist riesig. Zusätzlich tra- gen die Städte die Verantwortung für zentrale Bundes- oder Lan- desaufgaben wie das Pass- und Aus- weiswesen, Führerscheinangelegen- heiten, Elterngeld, Wohngeld oder Führungszeugnisse. Auch hierfür gibt es keine einheitlichen digitalen Lösungen und jede Stadt muss indi- viduell einen großen Aufwand be- treiben. Das ist ärgerlich. Denn diese Aufgaben haben keinen oder nur einen geringen kommunalen Bezug, da können die Städte wenig gestalten. Ihre Stärke liegt darin, lokale Veränderungen anzustoßen. Sie wollen dort anpacken und Ent- wicklungen auf den Weg bringen, wo das Miteinander direkt betroffen ist – im sozialen Bereich, der Kultur, dem Sport, bei Bildung und Um- welt. Die kommunalen Kernaufga- ben liegen in der (digitalen) Da- seinsvorsorge, nicht darin, Aufgaben von Bund und Ländern zu digitali- sieren. Damit die Städte sich noch besser auf ihre Kernaufgaben kon- zentrieren können, sind neue Wege der Zusammenarbeit und der besse- ren Aufgabenteilung zwischen Kom- munen, Ländern und Bund nötig. Dieses Netz wird man entwirren können. Für zentrale Verwaltungs- verfahren ohne kommunale Hand- lungsspielräume kann es auch zen- trale IT-Lösungen geben, man den- ke etwa an den Antrag für einen Personalausweis. Dafür reicht ein zentraler Online-Service absolut aus, der überall in Deutschland ge- nutzt werden kann. Wenn IT-Pro- zesse für Aufgaben des Bundes und der Länder von allen Kommunen genutzt werden können, muss sich nicht wie heute jede Kommune um individuelle IT-Lösungen kümmern. Das spart Zeit und Kraft, die für die drängenden Aufgaben vor Ort ge- braucht wird. Diskutiert werden sollte auch darüber, ob zentrale Aufgaben ohne kommunale Gestaltungsspielräume nicht grundsätzlich in die Hände von Bund und Ländern gegeben werden können. Sie wurden den Kommunen ursprünglich zugewie- sen, um eine stärkere Bürgernähe zu garantieren. Werden Verwal- tungsleistungen künftig aber rein digital erbracht, steht der Gedanke der Ortsnähe nicht mehr an erster Stelle. Verwaltungsangebote ohne kommunalen Bezug und ohne kom- munale Handlungsspielräume könnten dann auch unmittelbar von Bund oder Ländern angeboten werden. Langweilig wird es in keinem Fall. Die Städte tragen Verantwortung für immer mehr Zukunftsthemen: Sie sollen smarter werden, sich mit Rücksicht auf das Klima zukunfts- fest machen und neue Wege der Mobilität ermöglichen. Obwohl die Aufgaben also stetig mehr werden, fehlt immer häufiger das Personal, um diese anzugehen. Deshalb wer- ben viele Städte sehr klug um die richtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch um Fachkräfte, die den digitalen Wandel kompetent begleiten können. Beim Gehalt sol- cher IT-Spezialisten können sie zwar nicht immer mithalten, soziale Faktoren wie Familienfreundlich- keit, Arbeitszeiten oder Sicherheit des Arbeitsplatzes können aber viele Menschen überzeugen. Und: Die Städte bilden selber aus und bieten in Kooperationen auch Plätze in dualen Studiengängen an. Der Austausch zu den Ansätzen der „Dresdner Forderungen“ hält an. Begleitet vom Deutschen Städ- tetag sowie der Kommunalen Ge- meinschaftsstelle für Verwaltungs- management (KGSt) entwickeln die Städte die „Dresdner Forderungen“ stetig weiter. Denn es sind längst nicht alle Hindernisse beseitigt. Die Kommunen müssen die Zusam- menarbeit zwischen und mit ihren IT-Dienstleistern reibungslos orga- nisieren. Die Mitarbeitenden vor Ort müssen fit gemacht werden, damit sie die digitalen Anwendun- gen effektiv und souverän nutzen können. Zusätzlich ist die Vision der Ver- waltung im digitalen Zeitalter weiter zu schärfen. Und es ist ein offener Dialog darüber nötig, wie sich die Aufgaben der digitalen Verwaltung klug und für die Bürgerinnen und Bürger sinnvoll verteilen lassen und das föderale System neu justieren lässt. Die Ampelkoalition hat das in ihrem Koalitionsvertrag in Aussicht gestellt, die Hoffnungen sind also groß. Denn in der Digitalisierung der Verwaltung stecken viele Chan- cen für die Städte. Diese wollen wir nutzen. Hanna Sommer ist Referentin für Ver- waltungsdigitalisierung und IT beim Deutschen Städtetag; Anika Krellmann ist Referentin im Programmbereich Or- ganisations- und Informationsmanage- ment bei der Kommunalen Gemein- schaftsstelle für Verwaltungsmanage- ment (KGSt). www.kommune21.de Kommune21 · 07/2022 11