Round Table Aufgabe. Und entsprechende Er- folge sehen wir jetzt auch bei den Projekten dieses Innovationswett- bewerbs. Wie bewerten Sie den rasant wachsen- den Einsatz von KI in Kommunen? Weiß: Die Geschwindigkeit mit der jetzt Chatbots und Assistenz- systeme in Kommunen eingeführt werden, zeigt einerseits wieder, dass die Verwaltungsdigitalisierung vorankommt. Andererseits wirkt es an einigen Stellen auch etwas zu hektisch. KI ist nur so gut, wie die Datenbasis, mit der sie arbeiten kann. Wer also bisher kein Wissens- management hatte, dem kann auch KI nur eingeschränkt helfen. Herr Sokolowski-Kühn, Sie haben mit Bad Dürkheim den Innovationswettbe- werb gewonnen. Was war Ihr Ansatz? Maik Sokolowski-Kühn (Bad Dürk- heim): Unser Ziel war es, zu entlas- ten, nicht zu revolutionieren. Die Rechnungsverteilung war bei uns stark fragmentiert und wurde von historischen Abläufen, persönlichen Routinen sowie vielen Ausnahmen geprägt. Manche Rechnungen wanderten über mehrere Stellen, andere wurden sofort weitergege- ben. Die KI ordnet nun eingehen- de Rechnungen automatisch zu, erkennt Lieferanten und macht Kontierungsvorschläge. Doch das Wichtigste war: Sie hat sichtbar gemacht, wo unsere Strukturen nicht stimmten. Ein Lieferant acht Mal im System? Unterschiedliche Sachkontierungen bei gleichen Vorgängen? All das wurde plötzlich erkennbar. Wir mussten uns einge- stehen: Digitalisierung beginnt mit sauberen Daten. Ohne sie ist jede KI blind. War Ihnen gleich klar, wie groß das Herr Schmelzeisen, was nehmen Sie Datenproblem ist? aus dem Projekt mit? Sokolowski-Kühn: Nein, wir wuss- ten, dass es unsaubere Stellen gibt, aber nicht in diesem Ausmaß. Die KI hat uns eindrücklich vor Augen geführt, wie viel Nachbearbeitung tatsächlich nötig ist. Ich würde jeder Kommune raten: erst aufräu- men, dann automatisieren. Umge- kehrt führt es in die Irre. Wie hat sich die Zusammenarbeit in der Stadtverwaltung verändert? Sokolowski-Kühn: Wir mussten viele implizite Regeln explizit ma- chen. Wer ist Erstprüfer? Wer darf korrigieren? Welche Ämter gibt es für Sonderfälle? Die KI zwingt zu Einheitlichkeit. Und das ist gut so. Die Zusammenarbeit ist nun struk- turierter und transparenter. Frau Kling, wie haben Sie die Mitar- beitenden mitgenommen? Claudia Kling (Bad Dürkheim): Mit viel persönlicher Ansprache. Die Sorge war weniger die KI selbst, sondern vielmehr die Frage: Was bedeutet das für mich? Wir haben erklärt und gezeigt. Die Mitarbei- tenden wollten wissen, wie die KI funktioniert, wann sie eingreift und wo Fehler passieren können. Gab es konkrete Aha-Momente? Kling: Ein anschauliches Beispiel war ein verschmutzter Scanner. Ein Streifen verdeckte regelmäßig die IBAN, sodass die KI die Rechnung nicht auslesen konnte. Das zeigt, wie analog die Digitalisierung manchmal ist. Manchmal braucht es keinen Algorithmus, sondern einen Lappen. Holger Schmelzeisen (Axians Infoma): KI ist nur so gut wie die Organisa- tion, in der sie eingesetzt wird. Die Technologie ist weit fortgeschritten. Die eigentlichen Hürden liegen je- doch in Prozessen, Verantwortlich- keiten und der Datenqualität. Und wir brauchen realistische Erwartun- gen. KI unterstützt, sie ersetzt nicht. Gerade im Finanzwesen bleibt die Hoheit beim Menschen. Herr Schanz, wie funktionieren Ihre KI-Modelle? Steffen Schanz (Axians Infoma): Unsere Modelle sind fachliche Spezialisten. Sie werden ausschließ- lich mit den Daten der jeweiligen Kommune trainiert. Das Modell lernt aus bestehenden Mustern und Daten des Kunden, um hier exakte Vorhersagen und Zuordnungen treffen zu können. Herr Schmitt, bei Ihrem Projekt geht es um das Thema Prozesse. Warum haben Sie das Gesundheitsamt im Landkreis Saarlouis prozessorientiert analysieren lassen? Henning Schmitt (Landkreis Saar- louis): Das hat uns die Coronakrise gezeigt: Unsere eigenen Abläufe sind kaum beschrieben und visuali- siert. Ein Gesundheitsamt hat viele verschiedene Aufgaben: Infektions- schutz, Gutachten, Schuleingangs- untersuchungen, Beratungen. Doch vieles davon ist nicht dokumentiert, sondern basiert auf gelebter Praxis. Mit Axians Infoma haben wir rund 100 Prozesse strukturiert erfasst. Für viele war es das erste Mal, dass sie ihren Arbeitsbereich im Gesamt- kontext gesehen haben. www.kommune21.de www.kommune21.de www.kommune21.de Kommune21 · 02/2026 Kommune21 · 02/2026 Kommune21 · 02/2026 9 9 9