Leitlinien wendig sein, Formate zu wählen, die unterschiedliche Zielgruppen ansprechen (wie Erklärfilm, Visua lisierung oder Gamification). Gute Bürgerbeteiligung erfordert die gemeinsame Verständigung auf Verfah- rensregeln. Schon bei einer analogen Beteiligung wird dieser Grundsatz nur selten in aller Konsequenz an gewandt. Eher ist es so, dass sich eine gemeinsame Regelfindung darin erschöpft, die Teilnehmenden zu Beginn zu fragen, ob sie mit den Regeln einverstanden sind. Bei digitaler Beteiligung könnte die Verständigung darin bestehen, dass sie sich darauf einigen, welche digitalen Tools in welcher Phase des Prozesses synchron oder asynchron eingesetzt werden. Gute Bürgerbeteiligung braucht eine sorgfältige und kompetente Prozessge- staltung. Hier geht es um das Design des Beteiligungsprozesses, das heutzutage stets ein durchdachter Mix aus analogen, digitalen und hybriden Formaten sein sollte. Die immer zahlreicher werdenden digi talen Tools wie Hinweisplattformen, interaktive Websites, Visualisierun gen, digitale Pinnwände, Abstim mungstools oder virtuelle Räume sind sinnvoll zu verzahnen, ohne die Teilnehmenden zu überfordern. Gute Bürgerbeteiligung basiert auf Transparenz und verlässlichem Infor- mationsaustausch. Wahrhaftigkeit und Offenheit, Vermeidung von Geheimniskrämerei und Perspek tivwechsel sind in allen Formen der Bürgerbeteiligung nötig. Bei der digitalen Beteiligung darf der Trans parenzgedanke nicht nur dazu füh ren, dass alle Unterlagen ungekürzt ins Netz gestellt werden, sondern dass sie so aufbereitet werden, dass sie für die Zielgruppen verständlich sind. Gute Bürgerbeteiligung lernt aus Erfahrung. Hier geht es darum, die Bürgerbeteiligung zu evaluieren. Während bei analogen Formaten in der Regel direkt nach der Veran staltung Feedback eingeholt wird, kann das in digitalen Formaten zeitversetzt und/oder anonym über OnlineFragebogen erfolgen. Ein mögliches Ergebnis kann sein, zu künftig andere oder standardisierte Tools einzusetzen. Dr. Andreas Paust ist Vorsitzender des Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung e. V. Das Kompetenzzentrum Bürgerbeteiligung Das 2021 gegründete Kompetenz zentrum Bürgerbeteiligung liefert unentgeltlich eine niedrigschwelli ge Erstberatung zur Bürgerbeteili gung an. Beteiligungsenthusiasten aus ganz Deutschland, die hauptbe ruflich für die Bürger und Öffent lichkeitsbeteiligung in kommunalen Verwaltungen, in der Wirtschaft und zivilgesellschaftlichen Orga nisationen zuständig sind, bieten ehrenamtlich ihre Beratungsleis tungen an. Die 30minütigen Be ratungstermine lassen sich online buchen. Darüber hinaus verleiht das gemeinnützige Kompetenzzen trum jährlich den Preis „Gute Be teiligung“ für besonders gelungene Partizipationsprojekte. Derzeit läuft der Bewerbungsprozess für das Jahr 2023. www.gutebeteiligung.de können über eine ProjektWebsite Hinweise und Anregungen ein geholt werden, die im weiteren Verlauf des Beteiligungsprozesses Berücksichtigung finden. Auf diese Weise ist es auch möglich, Sta keholder kennenzulernen, denen das Projekt am Herzen liegt. Das Feedback zum Beteiligungsverfah ren muss später auf den gleichen Kanälen wie die Beteiligung selbst erfolgen. Gute Bürgerbeteiligung braucht aus- reichende Ressourcen. Hier geht es um den personellen und finanziel len Aufwand für die Beteiligung. Auf den ersten Blick könnte eine digitale Beteiligung preiswerter er scheinen, da weder Kosten für Ver anstaltungsorte und Catering noch Reisekosten anfallen. Bei hybriden Veranstaltungen, die zeitgleich vor Ort und online stattfinden, kann sich jedoch der finanzielle und per sonelle Aufwand deutlich erhöhen, wenn etwa eine Supporthotline eingerichtet werden muss. Das ist bei der Planung zu berücksichtigen. Gute Bürgerbeteiligung ermöglicht vielfältige Mitwirkung. Dieser Grund satz zielt auf die Einbeziehung beteiligungsferner Bevölkerungs schichten ab. Es geht darum, sicher zu stellen, dass nicht nur die „übli chen Verdächtigen“ angesprochen werden, sondern diejenigen, die betroffen sind, aber sich nicht von selbst einbringen. Es kann nicht vorausgesetzt werden, dass sie über die notwendigen technischen Mög lichkeiten (Computer, Webcam, schnelles Internet) verfügen. Gege benenfalls sind niedrigschwellig zu bedienende Tools zu wählen, not falls muss Technik zur Verfügung gestellt werden, was die Kosten erhöht. Grundsätzlich kann es not www.kommune21.de Kommune21 · 02/2023 19